Theatertrubel

Nachricht 04. Oktober 2018

Der Likörmörder oder Schneewittchen darf nicht sterben

Für den Fischerhuder Theatertrubel war es diesmal ein langer Weg bis wir auf den Brettern, die die Welt bedeuten standen. Schon Anfang 2017 setzte sich das Autorenteam zusammen, um ein neues Stück zu schreiben. Das dauert so seine Zeit! Doch im September 2018 war es so weit: Gertrude, Erna, Ranghild, Rocco, Ernst, Mechthild und drei Rollatoren – allesamt Bewohner des Altenstifts „Mariahilf“ traten in Erscheinung. Sie alle hatten mit ihren Altersgebrechen ihre liebe Not. Schwerhörigkeit, Einschränkung der Mobilität, Demenz, Altersstarrsinn, das übliche eben. Da kam es sehr gelegen, dass die Heimleiterin Frau Wohlleben mit der Gründung einer Senioren-Theatergruppe für Abwechslung sorgte. Dafür hatte sie extra eine Frau vom Fach engagiert. Cornelia Hutschenreuter war nicht nur mit viel Begeisterung und wenig Sekt ausgestattet, sondern verfügte darüber hinaus über einen kurzen Rock. Was für’s Auge – jedenfalls für Rocco und Ernst.

Cornelia gab sich große Mühe, gemeinsam mit den Senioren ein Kriminalstück einzuüben. Der Anfang war vielversprechend! Jeder bekam eine schöne Rolle und das Stück spielte in einem englischen Gutshaus mit einer Lady, einem Butler, ermordeten Lord und soeben vergifteten Hund. Aber die alten Leute hatten so ihre Gewohnheiten. Auch das Gedächtnis hatte manchmal keine Lust mitzuarbeiten, die Sehkraft schwächelte bei einigen – und dann gab’s ja einen neuen Text! Doch bevor bei den Proben die totale Erschöpfung drohte, kam deshalb konsequent der Schlachtruf „Eierlikör“!

Mit leichtem Schwips versehen haben die Senioren ganz spontan in ihrer Kindheit „gekramt“ und sind bei Schneewittchen hängen geblieben. Alle waren bester Stimmung, da erschien am Horizont Hausmeister Krause. Seine Stärke war immer im falschen Moment aufzutauchen – aber wenn man ihn mal braucht…! Diesmal informiert er die Theatergruppe, dass die Heimaufsicht im Anmarsch war. Und da war sie auch schon – in Person von Oberamtsrat Überprüf. Der wurde dann von Frau Wohlleben angeflirtet, ganz elegant von Rocco - nebst Rollator - mit Eierlikör versorgt und von der Bühne geschafft.

Vorher hatte die Flasche bei den Alten noch einige Runde „gedreht“. Ab jetzt  war Feuer frei: Text war Schall und Rauch, aber die Sätze aus vergangenen Märchenzeiten, die hatten alle noch drauf. Reichlich angeschickert steuerte die Probe auf ihr Ende zu. Regisseurin Hutschenreuter blieb nichts anderes übrig, als sich mit den Worten „Likörmörder ade – Schneewittchen ole“ ihrem Schicksal zu ergeben.

Wie ging’s weiter? Natürlich Schlag auf Schlag! Es gab noch eine Geburtstagsfeier mit magerem Geschenk seitens der Heimleitung, Hausmeister Krause bekam eine Flasche (zum Glück kein Eierlikör) über den Scheitel gezogen und das Stück Schneewittchen wurde tatsächlich aufgeführt. Mit Herrn Oberamtsrat Überprüf als Prinz und einem sensationellen Rollatoren-Tanz. Ende! Naja, fast.
Denn nun folgt der Abspann – es spielten:

Gertrude Heidrun Schwarz
Erna Inge Knoop
Rocco Jens Banehr
Ranghild Clementine von Hahn
Mechthild Martina Banehr
Ernst Thomas Roehl
Frau Hutschenreuter Marlis Seeger
Frau Wohlleben Birgitt Isensee
Herr Überprüf Gisbert Tümmel
Herr Krause Klaus von Hahn
Technik Beate Roehl
 

Ach so, während der langen Zeit der Zusammenarbeit gab es innerhalb des Theatertrubels noch folgendes zu berichten: einen Krankheitsfall, zwei Hochzeiten wurden gefeiert, zwei Enkelkinder wurden geboren und ein Haus gebaut!

 

Martina Banehr, Fischerhuder Theatertrubel